Der „Große Männerchor” des Liederkranz war für die ersten 60 Jahre der Vereinsgeschichte alleine bestimmend und das größte Augenmerk wird auch heute noch auf ihn gerichtet, obwohl auch längst in den anderen Chören des „Liederkranz” herausragende Erfolge erzielt werden. Nach wie vor ist der „Große Männerchor” die zahlenmäßig stärkste Chorgruppe des Vereins und ganz Mainhausens.

Die musikalischen Fähigkeiten des „Großen Männerchores” wurden besonders durch die über Jahrzehnte kontinuierliche Arbeit der langfristig beschäftigten Chorleiter bestimmt: Isaak Hamburger war ein sehr vielseitiger Musiker, der auch der leichten Muse wie Operette und Schlager aufgeschlossen war. Er musizierte lieber am Klavier mit seinen Sängern als durch dominantes Dirigat fest die Zügel in der Hand zu halten.

Mit dem Wechsel zu Christian Manus begann die bis heute anhaltende starke Erfolgsorientierung des „Großen Männerchores”. Der ausgebildete Opernsänger verschrieb dem Chor zunächst eine mehrjährige „Abstinenz des Forte“ im Gesang, arbeitete intensiv an der Vokalfärbung und verlangte äußerste Disziplin. Die Werke wurden im wahrsten Sinne des Wortes „erarbeitet“ und individuell die Sänger auf Ihr Können hin analysiert. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, denn vor allem der Chorklang des „Großen Männerchores” wurde rund und volll - ohne forciert zu klingen.

Mit Hans Jaskulsky übernahm dann zum ersten mal ein akademisch ausgebildeter Dirigent die Chorleiterstelle der Männerchöre, deren guter Klang durch mehr Präzision in Rhythmik und Dynamik ergänzt wurde. Außerdem ermöglichte die hohe musikwissenschaftliche Qualifikation des Dirigenten dem Chor die sichere Bewältigung neuer Chorwerke bisher unbekannter Epochen.

Der Übergang zu seinem Studenten Roman Zöller war dann der reibungsloseste in der Chorgeschichte, denn der Seligenstädter verfügt als stilsicherer Sänger und Pianist mit professioneller Dirigentenausbildung über die Vorzüge aller bisherigen Dirigenten des „Großen Männerchores”. Da Roman Zöller gleichzeitig die musikalische Leitung des „Frauenchores” inne hat, waren gemeinsame Projekte der Liederkranzchöre in den letzten Jahren ohne Probleme durchzuführen.

Heute ist der „Große Männerchor” des Liederkranz einerseits ein etabliertes und stimmgewaltiges, andererseits aber auch stilsicheres und flexibles Ensemble. Besonders die Interpretationen von a cappella Kompositionen von Heinrich Poos (z.B. Totenklage um Samogonski; Das Weltgericht) wurden von Juroren bei Wettbewerben mit Höchstnoten bewertet. Genauso verstand es der Chor, Werken von Schubert (Gesang der Geister über den Wassern; Nachtgesang im Walde etc.) und Kompositionen der Renaissance von Palestrina und Gabrieli, die nicht für eine große Besetzung geschrieben worden sind, mit großer Anerkennung zu interpretieren. Dank dieser Leistungen erreichte der „Große Männerchor” nicht nur reihenweise 1. Plätze bei Wettbewerben, sondern wurde auch häufig zu Sonderkonzerten, Fernseh- und Rundfunkaufnahmen und Auslandsreisen eingeladen. Er ist so ein Kulturträger erster Klasse für unseren Ort und unsere Region geworden und der gemeinsamen Leistung der Sänger und Chorleiter ist es zu verdanken, dass Mainhausen mit Limburg und Pohlheim zu den „Männerchorhochburgen Hessens“ gezählt wird.

Ohne den freundschaftlichen Zusammenhalt des Chores wären die Leistungen nicht über Jahre und Generationen der Sänger möglich gewesen. Das Gesellige pflegen die Sänger jeden Freitag und investieren in die sozialen Kontakte oft mehr Zeit als in die eigentliche Chorprobe. Gerne wird aber das nette Gespräch unter Freunden nach der Probe für ein gemeinsames Chorlied aus alten Zeiten unterbrochen und so tönt am Freitagabend häufig ein freudiger Männergesang aus dem Vereinslokal „Zum Schwanen“.